Tinnitus

Die Frauen, die die Männer lieben doch mehr sich selbst begehren

16. Februar 2009 · Kommentar schreiben

Eva, Goethe

avocadoLasziv kommt sie in den Raum, hungrigen Blickes, darauf ausgerichtet, dass sie bekommt was ihr zusteht. Sex. Jeder will ihn, jeder sucht ihn, jeder braucht ihn.Jeder ist hier Mensch. Von Männern ist uns das bekannt, anerkannt, vergeben und vergessen. Aber als Frau?
Wie viele Frauen sind sich der eigenen, doch eigentlich natürlichen, sexuellen Begierde bewusst? Der erste Kontakt geschieht mit einer Berührung der am auffälligsten nach Lust schreienden eigenen Körperstelle. Selbstbefriedigung. Während Männer ihren Hunger teilweise stolz, teilweise bestimmt und zielgerecht stillen, stimulieren viele Frauen beschämt, heimlich ihren Brand und leugnen es im Nachhinein wegen Einstufung als Untat. Es könnte derselben Auslöser sein wie der, der dazu beiträgt, dass einige Frauen nach dem Sex “kuscheln“ wollen.
Der “Schmutz“. Von Klein auf wird ihnen von allen möglichen Einflüssen sexuelles Verlangen als etwas Stilles und gefälligst geringfügig Empfundenes beigebracht. Als etwas, was ein erniedrigendes und animalisches Gefühl hinterlässt. Aber Sex ist nun mal etwas Instinktives, Animalisches. Zwar von der Zeit geprägt, jedoch im Kern gleich.
Klar, irgendwie wird doch in SIE penetriert. Um am deutlichsten zu sagen GEFICKT. Beide können noch so wild und stellungsneugierig an ihrer Befriedigung arbeiten, aber wird nicht sie im Endeffekt immer etwas passiver bleiben als er? Ein kluger, seltener Mann antwortete mir auf diese Einstellung hin: „Aber wer verschlingt hier wen? Wer umfasst was? Umfasst nicht das schwarze Loch sein eindringendes Opfer?“ Aber Tatsache ist, dass bei manchen Frauen nach dem Akt etwas in ihnen umher schleicht. Es ist das Gefühl: Er hat mich gerade gefickt. Ich war ein Tier. So außer mir! Voller schmutziger Lust. Nimm mich jetzt in den Arm und gib mir meine Würde wieder. Respekt.
Die neue, Männer liebende Feministin oder besser gesagt das neue „Soll“-Ideal der Frau braucht kein “Kuscheln“ dieser Art. Sie genießt ihre Lust, steht zu ihrem Willen einem Orgasmus nachzueifern, genau wie ihren Durst mit Flüssigem zu stillen.
SIE, die lasziv im Raum steht, sich langsam hinlegt und ihre Beine öffnet, dem Ziel in die Augen blickt und ruhig die Eintrittskarte durch den Raum bläst … Bewusstsein, dass sie nicht die Pornofrau auf dem Playboyposter ist.  Weitaus nicht so modelliert, sondern vielmehr wahr, zart und schmackhaft in all ihrem Geruch, gerötet, genässt mit der Gänsehaut auf dem erregten Körper, dem Hecheln und dem zitterndem Pochen, und dem Ziel sich ihr “täglich Brot“ zu holen. So den Mann, von dem sie bewusst abhängig ist, mit offensiver Lust und heftigem Verlangen zu schockieren und ihn körperlich zu lehren, dass jede andere Frau, die sich durch ihr eigenes  Unterdrücken einschränkt, niemals diese authentische Explosion einer so natürlichen animalischen geilen Art in ihm erzeugen kann.
Inspiriert von dem Buch “Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche, bei dem die Protagonistin ein sehr auf ihre Befriedigung konzentriertes junges Mädchen ist, das viele verdrängte Wahrheiten über den weiblichen Körper durch eigenes Erproben und stolz zur Schau Tragen anführt. Und damit so viele standhafte, mit Durchhaltevermögen gesegnete Leser schockiert, aufklärt und vor allem aber den Leserinnen den unnötigen Scham über ihre natürlichen Körpervorgänge nimmt und zu neuen Selbstexperimenten anregt.
Der Inhalt weckt oftmals Ekel, zeigt ein sehr extremes Beispiel einer Frau und ihrer Liebe zu ihrem Geschlecht und dessen Körpersäften. Es hinterlässt nach dem Lesen zwei Gedanken im Kopf:
“WIDERLICH WAS SIE DA TUT“
“Wie verklemmt ich im Gegensatz hierzu bin…“
Zurückbleibt aber bei langem Reflektieren ein gespaltenen Ergebnis. Die Mitte. Die angenehme Mitte, die die Frau vielleicht weg von ihrem eingeschränkten Körperbewusstsein treibt aber kurz vor dem extremen Mädchen im Buch verharrt. So, dass man als Frau befreit von jeglichem Scham und Zwang über das zu erreichende Ziel einer Posterpornofrau, lebt und sich liebt.
Die neue Frau dieser Mitte, in die man sich vollkommen weich und sicher fallen lassen kann, weiß wer sie ist, dass  ER oder SIE  jeden Zentimeter ihres Körpers genießen will, und dass es einfach nichts geileres geben kann als das “Tier“ in sich von der Kette zu befreien und auf das begehrte Ziel los zulassen.

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Lustvolles über die Lust

30. Januar 2009 · Kommentar schreiben

„Erreicht werden müsste ein Denken, das wirklich gleichzeitig von dir und von mir, im Akt des Denkens gebildet wird, mit den Modifikationen, die das Denken des anderen bei jedem von uns bewirkt, und wir müssten zu einem Denken gelangen, das das unsere wäre, das heißt, in dem du dich wiedererkennst, aber gleichzeitig mich wiedererkennst, und ich mich wiedererkenne und zugleich dich wiedererkenne.“ Jean-Paul Sartre zu Simone de Beauvoir, wir zu einander

von Laura und Milena, Goethe

„Die Lust rahmt, gestaltet und wertet das Leben in einem Maße, dass sich jeder sie zu erfassen Suchende, von ihrer Erscheinungsvielfalt überwältigt, zum Schweigen verurteilt sieht, da keine Betrachtung, kein Gedankengang und kein dem Gefühl entspringender Schluss der final gelungene sein kann – dieser Kraft kein Schema gerecht zu werden scheint.“

„Sie drückt sich oft aus als ein schmerzliches, entgrenzendes Gefühl, als Verschmelzung mit dem Universum, als zeitlose Selbstaufgabe, als nieder sein, als nicht sein. Für manche ist dies der Beweis des Menschlichen, für andere der des unmenschlich Animalischen. Für die einen bedeutete es Selbstdefinition und Erfüllung, für die anderen widerum Selbstzerstörung. In Konfrontation mit diesem von tief innen herrührenden Verlangen Lust zu leben, stelt sich die Frage, ob der Mensch es ist, der die Lust beherrscht, oder die Lust es ist, die die Menschen beherrscht?”

„Wohl kann man zwischen der Urkraft Lust als einen der stärksten Triebe der Menschheit in ihrem natürlichen Zustand und ihrer zivilisierten Form innerhalb der Gesellschaft unterscheiden, zwischen der derben und einer Art süßlichen Lust differenzieren, wie zum Beispiel zwischen Sex und Liebe. Erstere entspricht der in unserer Veranlagung manifestierten Lust, letztere Lust entspringt hingegen dem durch das kulturelle Umfeld geprägten Verständnis von Harmonie und Ästhetik. Beiden gemeinsam ist, dass sich nicht nur die Tätigkeit selbst lustvoll gestaltet, sondern auch das Erwarten dieser. In Bezug auf die derbe und die süßliche Form der Lust, stellen wir hierbei dem Verlangen die Sehnsucht gegenüber.Wiederum erkennen wir im vor allem körperlich erlebtem Verlangen etwas Natürliches, in der Sehnsucht stattdessen etwas Stilisiertes. Fern- und Heimweh entstanden demnach durch das von außen vermittelte Bewusstsein der Weite der Welt und der Erfindung heimatlicher Verbundenheit. Hierdurch lässt sich auch veranschaulichen, dass die Lust im ursprünglichen Sinne weniger, heute aber umso enger mit Schmerz und dem Beklagen von etwas Fehlendem verbunden ist. So wird auch die Melancholie, die unbegründete, doch sehr schmerzliche Traurigkeit des Erinnerns, lustvoll genossen. Ist Lust nach dem heutigen Verständnis, also alles, was dem Menschen sich selbst näher bringt?”

„Die primitive, naturorientierte Lust  steht der entfremdeten, zivilisierten, beherrschten Lust gegenüber. Die unmittelbar gelebte Lust, in ihrer primitivsten, natürlichsten, animalischsten, unberührtesten und unvoreingenommensten Form, schildert einen Zustand menschlich universeller Gesichtslosigkeit, charakterlos, formlos, gleich zu sein. Der Mensch scheint seine gesellschaftlich individuelle Rolle aufzugeben, sich selbst in seinem Selbstverständnis zu übersteigen.“

“Er scheint sich fast gedankenlos selbst auf das Gefühl der Lust zu reduzieren, dabei aber auch eine unterbewusste Erfüllung des inneren Antriebs zu erfahren, die jedoch nicht reflektiert ist und somit natürlich animalisch und im Großen und Ganzen harmonisch wirkt. Der Wiederspruch zwischen Körper und Geist scheint aufgehoben.“

„Die zeitgenössische Lust der Moderne, einem Zeitalter in dem fortwährende Verkünstlichung und Verfremdung des Natürlichen in vielen gesellschaftlichen Bereichen Einzug hält, erfährt auch in dem Ausdruck des als lustvoll erkannten eine neue Dimension. Komplex, in sich differenziert und umfassend, wird Lust in einem unerahnten, immensen Ausmaß in Symbolen öffentlich dargestellt. Der innere Antrieb der Lust wird so ein Moment der Gestaltung der Öffentlichkeit und hält Einzug in eine distanzierend, verkünstelte Form des öffentlichen Bewusstseins.“

„Lust tritt auf radikal anderer Weise zum Vorschein und setzt sich als vermarktete Vorstellung der Lust in den Köpfen der Massen fest. Die Legitimation der Lust besteht in der Art einer imaginierten Zivilisierung. In den Medien, an Orten wie Clubs oder Diskotheken, sammelt sich der Wunsch nach Erfüllung der Lust in dieser neuen Form: Kulthaft, ritualisiert, ästhetisch verkünstlicht und somit kontrolliert  und in einen gesellschaftlich erlaubten Rahmen gefasst.“

„Ein interessantes Beispiel für den Kontrast, gibt Jean-Paul Sartre, ein so zivilisierter, sich selbst durch den Geist definierender Mensch, in seiner Beschreibung des neapolitanischen Straßenlebens wieder. Seine Schilderung einer intuitiven, urtypischen Lust umreißt in drastischer Härte den Dreck der ärmlichen Bevölkerung und die animalische Natürlichkeit im Umgang mit menschlichen Körpern, geprägt von Krankheiten und erstickender Enge. Schockiert aber zugleich bewundernd, angeekelt und doch fasziniert, erkennt er die Einfachheit, die Lebens- und Überlebensgabe, die freizügige Körperlichkeit, die der durch Armut und Dreck verursachen Hässlichkeit trotzt.“

„Im Vergleich erscheint moderne Lust auf gezügelte, verformte, und bewusst ritualisierte, auf kultivierte Weise; primitive Lust als natürlich und roh. Noch drastischer aber erscheint der Fakt, das die stilisierte Lust in pervertierter, stets maximierender, durch das öffentliche Überbewusstsein verursachten Form auftritt.“

“Wir bezeichnen die Selbstverwirklichung durch die Gestaltung, sei es von Bildern, Texten oder Musik als eine gebende und die Einsicht, so wie das gewonnene Verständnis des Betrachters, Lesers und Zuhörers als eine empfangende Lust. Innerhalb einer Gesellschaft findet dieser Austausch immer beidseitig statt , sodass die Lust auch den Wert einer dynamisch verbindenden Kraft gewinnt, die geistige Betätigung des Betrachters, Lesers oder Zuhörers kann nämlich auch körperlich stimulierend wirken. Einerseits indem sie Verlangen oder Sehnsucht hervorruft, andererseits indem sie zur eigenen Kreativität inspiriert.”

„Erfasst man also die Lust als Selbsterfüllung, in dem man sich der Lust bewusst geworden ist, so gewinnt das Gefühl eine neue Bedeutung, eine Bedeutung, die uns wegführt von der animalischen, primitiven, gesichtslosen und unpersönlichen Triebhaftigkeit hin zu einer Art zivilisierten , kontrollierbaren und formbaren Lust: Als Selbstdefinition erscheint sie wie ein Freiraum den es zu füllen gilt.

„Hier finden wir eine Erweiterung und Ausarbeitung, eine Art der Beherrschung, die den Begriff des animalischen, unkontrolierbaren und unzivilisierbaren Ich-Gefühls auflöst. Lust wird gesteuert, gefüllt, und sogar erweitert sie wird auf neuer Ebene  zu einem Instrument der Selbstkonrolle., Lust ist nicht unterdrückbar aber formbar.“

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Israel und Palästina

23. Januar 2009 · Kommentar schreiben

Versuch einer objektiven Betrachtung des Konflikts

von Emil, Eli

palaestinag

Viele haben eine klare Position aber Wenige kennen die Fakten. Der Konflikt füllt Bücherregale aber der Grossteil der Literatur ist manipulativ  und vermeintliche Fakten widersprechen sich je nach Interessenlage. Dieser Artikel beruht deshalb  auf Büchern gegensätzlicher Sichtweisen: Einem pro-israelischen (1), zwei pro-palästinensischen (bis 1984 (2) und ab 1967 (3)) sowie einem relativ objektiven Text, der palästinensische und israelische Augenzeugen zu Wort kommen lässt (4).
Das Gebiet um Israel und Palästina ist ein seit Jahrtausenden umkämpftes Gebiet. Das liegt zum Einen an der Lage: Es ist die Verbindung der arabischen Staaten auf dem asiatischen Kontinent mit denen auf dem Afrikanischen. Zum Anderen ist dort der Ursprung dreier Weltreligionen: der christlichen, der jüdischen und der muslimischen. Dies hatte zur Folge, dass das Land immer wieder von verschiedensten Parteien beansprucht wurde. Sei es von Karl dem Großen oder den Römern die beide ihr Weltreich errichten wollten, den christisrael-flaglichen Kreuzzüglern, den Osmanen, oder heute den Israelis und Palästinensern. Bei jeder Besatzung wurden immer wieder Grenzen verschoben, Menschen mussten fliehen und wurden umgebracht, ob Juden, Muslime oder Christen. Ganze Volksgruppen wurden und werden bis heute unterdrückt.
Doch was sind die Ursachen für den heutigen Konflikt zwischen Palästinensern und die Iraelis? Kulturell, religiös und gesellschaftlich vollkommen verschieden, teilen sie sich ein Gebiet, dass nicht viel größer ist als Hessen. Das Problem ist dabei nicht das Zusammenleben an sich, sondern die verhärtete Politik und die radikalen Gruppierungen, die auf beiden Seiten großen Einfluss haben.
Angefangen hat der Konflikt mit der zionistischen Bewegung Ende des 19. Jahrhunderts. Das Gebiet des heutigen Israel und Palästina war überwiegend von arabischen Bauern besiedelt und gehörte zum Osmanischen Reich als 1897 Theodor Herzl auf dem ersten zionistischen Weltkongress in Basel die jüdische Weltbevölkerung aufrief sich zu einem unabhängigen Staat in Palästina zusammenzuschließen. Aufgrund von zahlreichen Progromen in Russland und ganz Europa, waren sehr viele Juden auf der Flucht und reisten, von den Zionisten organisiert in das Gebiet ein.  Unternehmer investierten in jüdische Farmen, welche überwiegend jüdische Bauern und Flüchtlinge einstellten und ausbildeten. Der Bodenerwerb durch die jüdischen Siedler bedeutete unweigerlich die Vertreibung palästinensischer Bauern, was zu heftigen Zusammenstößen führte. Der Konflikt verschlimmerte sich, als nach dem ersten Weltkrieg die britische Regierung das Mandat für das Gebiet erhielt. Brittanien sah sich mit einem Bürgerkrieg zwischen Muslimen und Juden konfrontiert, welche beide versuchten die Mandatsregierung zu zerpalasrael-1schlagen.
Als in Deutschland die Faschisten an die Macht kommen, beginnt die jüdische Massenauswanderung aus Europa. Viele versuchen in Amerika ihr Glück, doch es gibt auch viele die sich entschließen nach Palästina zu gehen. Am 14. Mai 1948 wird der Staat Israel in Jerusalem durch die Zionisten ausgerufen. Unter dem Eindruck des Schreckens, den der systematische deutsche Massenmord an 6 Millionen Juden in der Welt ausgelöst hatte, wurde Israel einige Stunden später von den USA und zwei Tage später von der Sowjetunion anerkannt. Doch die arabischen Staaten wollten Israel nicht anerkennen. Der erste arabisch israelische Krieg entflammte, 700.000 Palästinenser mussten fliehen. Viele von ihnen leben heute noch in Flüchtlingscamps in Jordanien, Syrien, im Libanon, Westjordanland und Gazastreifen. Israel erweiterte seine Grenzen: wurde ihnen von den UN noch 55% Palästinas zugesprochen, so hatte Israel nun 78% annektiert. Sowohl Israel als auch die arabischen Staaten waren gegen einen unabhängigen Palästinenserstaat, beide hatten von Landgewinnen profitiert.
1957 sorgte der ägyptische Präsident Gamal Nassern erneut für einen militärischen Konflikt mit der Blockade des Suezkanals und der Unterstützung der algerischen Freiheitskämpfer, die gegen die Kolonialmacht Frankreichs kämpften. Israel verbündete sich mit Britannien und Frankreich und griff Ägypten an.
Bald sollten die arabischen Staaten und Israel zu Stellvertretern des kalten Krieges werden. Die Sowjetunion unterstützte die arabischen Staaten, die USA Israel, die einen Überraschungsangriff auf Ägypten und Syrien starteten. Dieser Sechs-Tage-Krieg von 1967 veränderte die Landkarte ein weiteres Mal. Israel hatte das Westjordanland, Ostjerusalem, die Golan Höhen und die Sinai-Halbinsel erobert. Ca. 1,4 Millionen palästinensische Flüchtlinge waren in den benachbarten Staaten in Flüchtlingslagern untergebracht. Die dortigen Verhältnisse waren und sind unvorstellbar schlecht. Die israelische Regierung war weder bereit diese Flüchtlinge in ihre Gebiete zu integrieren, noch ihnen eine finanzielle Unterstützung zu gewähren. Durch die Perspektivlosigkeit in den palästinensischen Gebieten gab es immer mehr Menschen, die mit radikalen Gruppen sympathisierten. Doch das national-religiöse Lager Israels hatte auch großen Einfluss und sorgte für die Besiedelung in den besetzten Gebieten um den zionistischen Plan von Groß-Israel zu erfüllen. Angefangen hatte die Siedlungspolitik nach 1967 mit der Besiedelung des Etzion-Blocks. Zuerst bevölkerten Israelis einen kleinen Stadtteil im palästinensischen Hebron. Unterstützt von der Regierung wuchs der Stadtteil zu einer immer größeren Siedlung inmitten eines nach UN-Beschluss palästinensischen Gebietes an. Niemand der befeindeten Parteien schenkte der UN Resolution Gehör, wonach Israel anerkannt werden sollte, sich aber im Gegenzug aus den besetzten Gebieten zurückzuziehen hatte.
Ab 1972 nahmen die Angriffe radikaler Palästinenser auf zivile Ziele zu. Erster Höhepunkt war am 5. September 1972 die Geiselnahme und Ermordung von elf israelischen Sportlern bei den olympischen Sommerspielen in München. 1973 griffen Syrien und Ägypten gemeinsam Israel an. Die Bilanz des Krieges waren 2.700 Tote Israelis und 20.000 Syrier und Ägypter. 1978 marschierten israelische Truppen bis zum Fluss Litani im Libanon vor, um palästinensische Angreifer aus dem Südlibanon zurückzudrängen. Doch es gab auch Hoffnung: 1979 unterzeichnete Ägypten als erstes arabisches Land einen Friedensvertrag mit Israel. 1981 musste der ägyptische Präsident sein Leben dafür lassen: Muhammad Anwar as-Sadat wurde von einem islamischen Radikalen ermordet. Israel zog sich von der Sinai-Halbinsel zurück.
Der Frieden hielt nicht lange an: Aufgrund von palästinensischen Terroristen, die vom Libanon aus nach Israel geschleust wurden, marschierte Israel erneut im Libanon ein. Dort sah sich Israel  mit einem Glaubens- und Politikkrieg konfrontiert. Christliche Libanesen richteten ein Massaker in den palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Schatila an, das israelische Militär griff nicht ein.
Doch auch innerhalb der Palästinensergebiete spitzte sich der Konflikt zu und der erste organisierte Aufstand (Intifada) der Palästinenser gegen die israelische Besatzung und Siedlungspolitik entflammte. 1988 zeigte dieser erste Erfolge: Der jordanische König trat das Westjordanland an die Palästinenser ab. Dort gründete 1988 das erste palästinensische Parlament den unabhängigen Staat Palästina. Die PLO, als stärkste Macht, erkannte Israel als Staat an.
Nach vier Jahren Intifada begannen endlich die ersten Friedensgespräche in Madrid zwischen Israel und Palästina. Das Ergebnis wurde 1993 in Oslo von Jitzchak Rabin und Yassir Arafat unterzeichnet. Beide Parteien erklärten sich zu Zugeständnissen bereit, doch die wichtigsten Fragen waren ausgeklammert worden: Die genaue Grenzziehung, die Rolle Jerusalems in beiden Staaten, das Problem jüdischer Dörfer auf palästinensischem Gebiet und das Problem der mittlerweile fast drei Millionen palästinensischen Flüchtlinge ist bis heute nicht geklärt!
Gegner des Friedensabkommens gab es auf beiden Seiten. Immer wieder versuchten radikale Gruppen ihre Ziele mit Hilfe von brutalen Anschlägen durchzusetzen. Durch die Propaganda palästinensischer Religionsführer kam es zu den ersten Selbstmordattentaten in Israel, denen bis heute unzählige Zivilisten zum Opfer fielen. Im Gegenzug errichtete das israelische Militär Straßensperren. Palästinenser durften nur noch bestimmte Straßen benutzen und konnten sich in ihren eigenen Gebieten nicht mehr frei bewegen. Doch vielen Israelis reichten diese Maßnahmen nicht aus: rechte Israelis traten auf Demonstrationen vermehrt gewalttätig auf und wehrten sich gegen die gemäßigte Regierung. Jitzchak Rabin hielt 1995 auf einer Friedenskonferenz in Tel Aviv vor 200.000 Israelis eine Rede, die Hoffnung auf einen baldigen Frieden machte. Nachdem er die Bühne verlassen hatte wurde er von einem radikalen Israeli erschossen.
1996 gewann eine rechte Partei die Wahlen in Israel. Die Zahl der jüdischen Siedler auf palästinensischem Gebiet sollte in den nächsten Jahren von 100.000 auf 200.000 steigen. Dort war fast jeder zweite Palästinenser auf Arbeitssuche, jedem dritten standen weniger als 3 Euro pro Tag zur Verfügung. Das lag zum größten Teil an der Abriegelung der palästinensischen Gebiete durch das israelische Militär. Landwirte konnten ihre Produkte wegen der Kontrollen und Straßensperren nur unter erschwerten Bedingungen verkaufen. Die zweite Intifada begann um die Jahrtausendwende. Sie verlief anders als die Erste. Wurde damals noch auf Wirtschaftsboykotte gesetzt, waren es nun die Selbstmordattentate die sich häuften. Initiiert von der radikal-religiösen Organisation Hamas waren es meist zivile Ziele wie Busse oder Cafes die von Terroristen zerstört wurden und zahlreichen Israelis das Leben kosteten. Die israelische Regierung trat dem entgegen, in dem sie zur Abschreckung die Häuser der Angehörigen der palästinensischen Attentäter zerstörte. Doch diese Art der Vergeltung zeigte wenig Wirkung. Als am 6. Februar 2001 Ariel Scharon neuer israelischer Ministerpräsident wurde, verschlimmerte sich die Lage in den besetzten Gebieten. Israel verhängt Ausgangsperren und  durchsuchte Haus für Haus nach Anhängern der Hamas.
2003 sollte das größte Projekt in der israelischen Geschichte mehr Sicherheit für Israel bringen: eine etwa 750 Kilometer lange Barriere um das Westjordanland. Der größte Teil der Sperranlage besteht aus einem Zaun, Gräben und Bewegungsmeldern. Doch in der Nähe der viel besiedelten palästinensischen Gebiete stand bis Ende des Jahres 2004 eine acht Meter hohe Mauer. Der Bau der Barriere war so angelegt, dass Israel sich damit weitere ca. 10 Prozent des Palästinensergebietes zu Eigen machte. Außerdem wurden neue Regelungen eingeführt, die die Bewegungsfreiheit der Palästinenser weiter einschränkten: Z.B. gab und gibt es zwei verschiedene Nummernschilder für Palästinenser und Israelis die entscheiden, mit welcher Geschwindigkeit man sich fortbewegen und welche Wege man benutzen darf. Yassir Arafat stirbt, und die nun führerlose Fatah Partei muss 2005 der radikalen Hamas, wegen deren sozialen Engagements in den Palästinensergebieten, die Regierung überlassen.
Die beste Werbung für die Hamas war der Rückzug von 6500 Siedlern aus dem Gazastreifen. Diese wurden von der israelischen Regierung aus wirtschaftlichen Erwägungen nach Israel zwangsumgesiedelt. Die Hamas machte durch geschickte Propaganda ihre Attentate für diesen kurzweiligen Erfolg verantwortlich, doch gab es immer noch knapp 400.000 Siedler im Westjordanland und um Ost-Jerusalem und bereits im Juni 2006 marschierte die Armee nach Raketenangriffen auf Israel erneut in den Gazastreifen ein.
Die Entführung zweier israelischer Soldaten durch die radikal-islamische Hisbollah war 2006 der Auslöser eines groß angelegten Militäreinsatzes von Israel: Im zweiten Libanon-Krieg starben insgesamt 1200 Menschen durch Bombenangriffe Israels. Zehntausend Wohnhäuser wurden zerstört. Auf israelischer Seite wurden hunderte Häuser zerstört, 48 Zivilisten starben. Israel weitete seine Grenzen in diesem Jahr aus und annektierte 12 Prozent vom Westjordanland, darunter meist israelische Siedlungen. Nach dem Jahresbericht von Amnesty International warf, vier Tage nachdem sich Israel und der Libanon geeinigt hatten, israelisches Militär hunderttausendpalasrael-3e Streubomben über dem Libanon ab. Viele von ihnen detonierten nicht. Bis Ende 2006 sollten weitere 200 Menschen wegen dieser Blindgänger sterben. Weiterhin wurden in diesem Krieg auch palästinensische Flüchtlingslager als Wurzel des Terrorismus angegriffen: 650 Palästinenser starben. Weitere 100 Palästinenser starben bei teilweise irrtümlichen Anschlägen des israelischen Militärs. Auf israelischer Seite wurden 21 Zivilisten durch Selbstmordattentate getötet.
Israel beschlagnahmt monatlich ca. 50 Millionen Dollar Steuergelder die eigentlich der palästinensischen Regierung zustehen. Dadurch, und durch die mangelnde Bewegungsfreiheit der Bürger bekommt die palästinensische Behörde ihren Haushalt zu 95 Prozent von den Westmächten finanziert. Ende 2006 und Anfang 2007 kommt es dann erstmals zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen der Hamas und der Fatah Partei. Der innerpalästinensische Konflikt spitzt sich zu, bis Mahmud Abbas eine Notstandsregierung ohne Beteiligung der Hamas einsetzt.
Aber wie sieht es heute aus in dem Gebiet zwischen Jordan und Mittelmeer? Immer noch sind die zentralen Fragen nicht geklärt: Wie verlaufen die endgültigen Grenzen zwischen Israel und den Palästina? Was passiert mit den 4 Millionen Flüchtlingen? Was wird aus den Siedlungen auf palästinensischem Gebiet? Zu jeder dieser Fragen gibt es UN Resolutionen, die aber wenig Beachtung finden.
Amnesty International schreibt jedes Jahr einen Bericht in dem die Todesopfer beider Seiten aufgelistet und die Ausbreitungen der Siedlungen erfasst werden. Waffen und Bewaffnete gehören zum alltäglichen Leben. Fast wöchentlich gibt es Nachrichten über neue Opfer durch das israelische Militär bzw. palästinensische Selbstmordattentäter. Wir sehen sie Abend für Abend in den Nachrichten, von Gott oder Allah berufene Extremisten auf beiden Seiten, die den Frieden in diesem Land verhindern.
Im Jahr 2007 standen in Israel ca. 1 Millionen Araber rund 6 Millionen Juden gegenüber. 4 Millionen Palästinenser lebten im West-Jordanland und im Gazastreifen. Auf palästinensischem Gebiet hat eine Familie im Durchschnitt fünf Kinder. Diesen Anstieg der Bevölkerung kann die instabile palästinensische Wirtschaft nur schwer verkraften. Folgen sind überfüllte Klassenzimmer und hohe Arbeitslosigkeit. 50 Prozent der Palästinenser sind unter 15 Jahre alt. Bereits Jugendliche werden sowohl vom israelischen Militär als auch von extremistischen Organisationen in den Konflikt mit einbezogen und radikalisiert.
Man kann aber die Gesellschaft im Nahen Osten nicht nur in Juden und Araber teilen. Gemäßigte oder Nicht-religöse vertreten andere Ansichten als die strenggläubigen und nationalistischen Minderheiten, die aber durch ihre Radikalität die Geschicke im Nahen Osten dominieren. Doch es gibt auch Organisationen die andere Wege aus der Gewaltspirale suchen. Der abschließende Dialog stammt von zwei Jungen die sich über eine solche Organisation kennen gelernt haben.
Wie wir in der Geschichte gesehen haben, helfen keine Mauern und keine Vergeltungsschläge Frieden herbei zu führen. Vielleicht erkennen die neuen Generationen, so wie Aiyub und Elad, dass man sich einander zuhören muss, um etwas zu erreichen, um Vorurteile auszuräumen und gemeinsam das „heilige Land“ zu besiedeln.

Aiyub: „Ich sah Elad zum ersten Mal bei einem Vortreffen in Jerusalem. (…) Ich hatte zuvor noch nie mit Israelis gesprochen. Ich dachte gar nicht daran, ich dachte, es ist reine Zeitverschwendung.“
Elad: „Ich wusste nicht, dass Aiyub Palästinenser ist. Wenn ich ein Bild mit zwei Menschen vor mir sehe und gefragt werde, wer Palästinenser und wer Jude ist – das könnte ich nicht sagen (…).“
Aiyub: „Wir mussten uns im Camp ein Zimmer und ein Hochbett teilen. (…) Wir fingen an, uns kennen zu lernen.“palasrael-2-1
Elad: „Wir sprachen über alles, nur nicht über Politik.Wir redeten über Musik, Kinofilme und die Mädchen im Camp. (…) In dem Camp waren rund 60 Leute aus der ganzen Welt. Es ging um die Konflikte, zum Beispiel in Nordirland, in Südafrika und um uns. Einmal suchten sie zwei Freiwillige, die vor der ganzen Gruppe diskutieren mussten. Alle zeigten auf Aiyub und mich, sie wollten etwas erleben. (…) wir unterbrachen uns gegenseitig, fingen sogar an zu schreien.“
Aiyub: „Wir waren richtig schlecht. Sie brachten uns später bei, wie zugehört und diskutiert wird. (…) Wir sind uns in vielen Dingen nicht einig.“
Elad: „Es ist fast unmöglich über den Konflikt zu sprechen. Was für Aiyub Fakten sind, sind für mich keine und andersherum. (…) das Camp hat das ermöglicht, Dinge auch von der anderen Seite zu sehen. Ich lebte auf einmal mit Menschen zusammen, die ich zuvor als meine Feinde betrachtet habe. Doch Aiyub hasste mich nicht. Er akzeptierte, dass ich existiere. (…) Ich dachte, es gibt keine Chance für . Ich war der Meinung, wir brauchen Barrieren und Mauern, um uns zu schützen. Aber es gibt viele Leute wie Aiyub, nur leider nicht in der palästinensischen Regierung. Dasselbe gilt auch für mich und meine Regierung. Viele sind zu dickköpfig. (…) Es ist dumm, Aiyub zu hassen, nur weil jemand mit seiner Religion jemanden umgebracht hat, den ich kenne.“
Aiyub: „Auf beiden Seiten gibt es schlechte Leute. Elad und ich glauben zwar an unterschiedliche Fakten, aber wir können miteinander reden. Wenn wir beide es schaffen, im selben Zimmer zu wohnen, dann muss es doch möglich sein, friedlich am gleichen Ort zu leben. (…) Wir kämpfen seit über 60 Jahren gegeneinander. Nichts wurde erreicht. Beide Seiten haben so viel Zeit verschwendet, um ihren eigenen Staat zu haben. Wieso nicht Zeit für Frieden verschwenden?“
Elad: „Manche Israelis sagen, die Palästinenser sollen zurück in die arabischen Nachbarländer. Aber das ist so, als wenn wir Juden dahin sollen, wo wir herkommen. Ich bin von hier, ich habe keinen Ort, wohin ich zurück kann. Das Gleiche gilt aber für Aiyub. Wir sind hier, das ist unser Zuhause, und wir müssen eine Lösung finden.“

Quellen:
(1) „Plädoyer für Israel“ von Dershowitz
(2) Kein Frieden um Israel“ von Walter Hollstein
(3) Die Herren des Landes“ von Idith Zertal und Akiva Eldar
(4) „Die Geschichte der Israelis und Palästinenser“ von Flug und Schäuble

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Über alles und nichts: Fans, Fussball, Fanatiker

21. Januar 2009 · Kommentar schreiben

Jakob, Eli

Es ist ein sonniger Samstag, irgendwann zwischen August und Mai. Morgens um 6 Uhr am Frankfurter Hauptbahnhof versammeln sich Männer, Frauen, Freunde, Liebende, Hochschüler und Arbeitlose, Ausländer, Deutsche, Rechte und Linke. Sie alle besteigen den gleichen Zug, den Zug der nur an einer Station hält. Es wird der Bahnhof einer der 18 deutschen Bundesliga-Städte sein. Für Außenstehende bietet sich eine skurrile, gar völlig fremde Szenerie, wenn eine Horde zum Teil betrunkener Fussballfans durch eine fremde Stadt zieht, auf dem Weg ins Stadion, nach etlichen Stunden Zugfahrt, nur um 90 Minuten ihre Mannschaft zu unterstützen. Was macht die Faszination Fussball aus? Warum singen wir Fans? Denn für viele hat die Fankultur etwas Asoziales, gar Faschistoides. Gerade die so genannten Ultras, die sich als organisierten Support begreifen, sich selbst dabei in der Fanhierarchie an oberster Stelle sehen, gelten als gewaltbereit und tendenziell rechts. Tatsächlich zeigen Studien, wie beispielsweise die von Gunter A. Pilz, dass Ultra-Gruppierungen ein Auffangbecken für Aussteiger aus der Rechten Szene sind. Es geht um die Darstellung nach außen und vor allem einen starken Gruppenzusammenhalt, der sich in Choreographien, Protesten gegen Stadionverbote oder die Kommerzialisierung des „modernen“ Fussballs äußert. Identität und Solidarität unter den Fans entsteht durch Abgrenzung, vorzugsweise durch den Gegner diffamierende Gesänge. Rechte Gewalt gibt es bei deutschen Ultra-Gruppierungen so gut wie nicht, das heißt aber nicht, dass rechtes Gedankengut nicht existiert. Im Stadion jedoch sind Herkunft oder politische Einstellung irrelevant, es kommt zu einer strikten Trennung von Privatem und Stadion. Im Stadion zählt die gemeinsame Liebe zum Verein, der gemeinsame Wille zu gewinnen. Was leider bleibt, sind Kommentare wie „Du Schwuchtel“ oder „schwarzes Schwein“. Rassistische Äußerungen im Stadion werden in der Regel sofort unterbunden, da es immer genug umstehende Fans gibt, die genug Zivilcourage besitzen um den pöbelnden „Fan“ in seine Schranken zu verweisen. Es ist jedoch auffällig, dass „Schwuchtel“ oder „Schwuler“ fast als normal hingenommen wird, wobei die eigentliche Bedeutung hier oft abgerieben ist. Dennoch müssen Fans nicht politisch inaktiv bleiben, so gibt es Aktionen gegen Rassismus beim Fussball, die linken Eintracht-Ultras „Droogs“ (Banner: Democracy for Burma) oder den Fan- Club „Love Eintracht – Hate Racism“. Tendenzen zum Antikapitalismus äußern sich in der Präsenz von Che Guevara-Fahnen, sowie dem Protest der Ultras gegen die Instanz des DFB (deutscher Fussball Bund) und gegen die Entwicklung, die Fussball immer mehr zu einem Event macht. Eine in deutschen Stadien weit verbreitete Art der Unterstützung ist das arrangierte Singen durch einen Vorsänger. In Frankfurt ist dies seit Jahren der in Fankreisen berühmte Martin Stein. Mit dem Rücken zum Spielfeld gibt er vor, was gesungen wird. Nicht selten passen seine Intonationen nicht zum Spielverlauf, der Support wirkt dadurch unecht und träge. Viele bemängeln eine fehlende Spontaneität. Schaut man sich die Texte der Lieder an, so fällt auf, dass sich viele Lieder rechter Symbolik bedienen. So tauchen Wörter wie Ehre oder Stolz auf, einige Chöre haben einen direkten Bezug zur verbotenen ersten Strophe der Nationalhymne (Sge, Sge, Eintracht Frankfurt über alles Sge; Immer wieder, immer wieder, immer wieder Sge, von der Elbe bis zur Isa, immer wieder Sge), die Offenbacher Fans singen gar „Zyklon B für die Sge“. Ob man sie mag oder nicht, eine Atmosphäre, die wie im Stadion durch Emotionen, Hoffnungen und Ängste hervorgerufen wird, hat seine Wurzeln eben gerade in der Menschlichkeit, in einem Gruppengefühl, das seine banalsten Assoziationen in eben diese Fangesänge steckt. Doch woher kommt der Fangesang, denn er wurde nicht mit dem Fussball zusammen erfunden. Es begann 1963 in Liverpool, dichter Nebel machte es den Zuschauern unmöglich dem Spiel zu folgen. Doch ein jähes Raunen, das durch die Ränge ging, konnte nur eines bedeuten, nämlich, dass Liverpool ein Tor erzielt hatte. Natürlich hatte keiner gesehen, wer der Torschütze war und so skandierten die Liverpooler Fans: „Who scored the goal?“. Die Antwort kam durch den Nebel von der gegenüberliegenden Tribüne. Auf dieselbe Art erfuhren die Fans, ob er es mit dem Kopf oder Fuss erzielte. In der Kirche singt man, im Stadion auch. Luther sagte einst: „Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott.“ Tatsächlich sind Fussballspiele stark ritualisiert. Wenn jeder Mensch etwas braucht, in das er seine Erwartungen stecken kann, eine Säule im Leben, so ist das neben der Liebe für manche der Lieblingsverein, eine Konstante, die sich durch jedes Jahr zieht, täglich in den Zeitungen zu verfolgen ist und sich doch von Woche zu Woche ändert. Zwar gibt es in sportlicher Hinsicht auch Enttäuschungen. Doch eines ist sicher, die Eintracht lässt einen nicht im Stich, sie spielt immer und egal in welcher Liga, wir begleiten sie. Auch wenn Rassismus in der Wahrnehmung im Frankfurter Waldstadion kaum noch eine Rolle spielt, ist es die Pflicht eines jeden Fans, für ein tolerantes Umfeld in seinem Block zu sorgen, denn auch Fussball spielt gesellschaftlich und moralisch eine wichtige Rolle!

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Für die Liebe

19. Januar 2009 · Kommentar schreiben

Milena, Goethe

Ich möchte über die Liebe schreiben, gegen die Angst vor Abhängigkeit, für den Schmerz und das Einssein. Bei Sartre entsteht Liebe aus dem Wunsch nach der Vereinigung seines Seins mit seinem „Für-andere-Sein“, wobei der Liebende für den Geliebten „alles in der Welt“ ist, „das Sein, was die Welt zusammenfasst und versinnbildlicht“, während der Geliebte „die Bedingung jeder Wertung, ja die objektive Grundlage aller Werte“ des Liebenden darstellt. Geliebt zu werden bedeutet die Rechtfertigung unserer sinnlosen Existenz, zu lieben hingegen bedingt, dass sich die eigene „Freiheit gegen sich selbst wendet, zur Liebe werden und sich in Fesseln legen will.“ Da diese Philosophie tatsächlich auch dem Selbstverständnis seiner lebenslangen Beziehung zu Simone de Beauvoir entsprach, der er erklärte:„Sie sind am Horizont all meiner Gedanken, alles was ich denke oder fühle oder schreibe ist für Sie, Sie sind so etwas wie die Objektivität dieser Welt, die mich umgibt, die sonst nur die meine wäre- und die unsere ist“, kann dieser Ausschnitt aus „Das Sein und das Nichts“ vielleicht ebenso als eine Hommage an die Geliebte verstanden werden wie Andre Gorz‘ „Brief an D“, indem dieser schreibt:„Unsere Beziehung wurde zum Filter, durch den mein Verhältnis zur Wirklichkeit hindurchging“ Der Existenzialismus, Paris als zentraler Ort des Geschehens, ihre publizistische Tätigkeit und die ihrer Jugend nachfolgende Bewegung der 68er eint diese beiden Männer, doch unterscheiden sie sich in ihrem Selbstverständnis und ihrer Lebensart in einem Maße, dass die Freundschaft, welche wohl zwischen ihnen bestand, nur schwer zu erfassen ist. Gleiche Parallelen und Kontraste bestehen auch zwischen ihren Partnerinnen. Während Beauvoir sich nämlich stets mit den Erwartungen der Öffentlichkeit konfrontiert sah, lag die größte Herausforderung für Dorine darin, ganz zu sich selbst zu finden und die bei ihr diagnostizierte Arachnoiditis sowie den Krebs zu besänftigen. Innerhalb ihrer Beziehung war jede der beiden Frauen wiederum mit einem Extrem konfrontiert: Sartre, den die ganze Welt als Philosoph, Kommunist und Mann für sich zu beanspruchen schien galt es immer zu teilen, Gorz, der der Welt eher zu entfliehen suchte, belud hingegen ganz allein Dorine mit der Last seines tagelangen Schweigens, seiner Selbstzweifel und seinen Schmähungen. Stellt man die beiden Paare einander gegenüber ist es entscheidend festzuhalten, dass Jean Paul Sartre und Simone de Beauvoir sich die Frage nach dem Sein an sich, seinem Grund und seiner Konsequenz im Kontext einer absolut gesicherten Existenz stellten, da sie aus wohl situierten Familien stammten, das Studium an der Sorbonne glanzvoll begingen, und ihren schriftstellerischen Anfängen sogleich Anerkennung folgte. Andre Gorz und Dorine verbanden als österreichischer Jude und Engländerin in Paris hingegen eher das Gefühl von Entwurzelung, Unsicherheit und zeitweiliger Isolation. So gelang es Gorz erst nach jahrelangen Bemühungen, Teil des linksintellektuellen Zirkels zu werden, dessen Mittelpunkt Sartre und Beauvoir ganz selbstverständlich bildeten: Ihr Leben im Hotel, der enorme Tatendrang, von hitzigen Diskussionen beseelte Nächte, starke Meinungen, Visionen, ihre unermüdliche Schaffenskraft, Vielecksbeziehung und die gelebte Gleichberechtigung stellten eine ungeheure Projektionsfläche dar, bedeuteten für viele die Verkörperung der Moderne und schufen bald eine Art Kultstatus des freischwebenden Paares. Sie waren geladene Gäste bei Fidel Castro, bereisten die Sowjetunion ebenso wie die USA, er besuchte Andreas Baader im Gefängnis (ob als Instrument der RAF-Propaganda oder Unterstützer gleich gesinnter Revolutionäre sei hier dahingestellt), sie kämpfte für die Legalisierung von Abtreibung und gegen den Hausfrau/Muttchen-Zwang. Beide waren sie stets präsent, sowohl auf der Straße als auch in den Medien. Im Gegensatz dazu führten Gorz und Dorine ein bescheidenes Leben, erst in Paris und dann auf dem Land, wo sie der Prognose ihrer kaum verbleibenden Lebenszeit trotzte und er die in den 60er Jahren aufkommende Ökologiebewegung mit theoretischen Schriften sowie 200 gepflanzten Bäumen aktiv begleitete. Während den 60 Jahren ihrer Liebe arbeitete Dorine ihrem Mann zu, half ihm am Arbeitsplatz und befreite ihn von alltäglichen Lästigkeiten. Das genügte ihr. Wie ich dazu komme, Simone de Beauvoir, die Mutter des Feminismus, mit diesem Männertraum einer Ehefrau zu vergleichen? Nun, letztere war eine ebenso starke Persönlichkeit, nur hat sie sich bewusst entschieden einem schwächeren Mann ihre Kraft zu schenken, nicht gönnerhaft, obwohl beide wussten, wie viel mehr er sie brauchte als sie ihn, sondern weil sie an ihn glaubte. Außerdem hat auch Beauvoir Sartres Interessen zu den ihren erhoben und, ich möchte sagen, für ihn gelebt. Es verging kaum ein Tag ihrer 52 Jahre andauernden Beziehung, an dem sich die Beiden nicht geschrieben hätten, sobald sie voneinander getrennt waren, weder Sartre noch Beauvoir veröffentlichten ein Wort, ohne dass der andere es gelesen hatte und Gorz besuchte kein Seminar oder Interview ohne Dorine. Gerade in dieser Intensität besteht der Hauptbezugspunkt der beiden Liebesverbindungen. Es ist in diesem Sinne ja auch ganz gleichgültig, wenn die einen ihre Beziehung noch durch Allüren mit Dritten, Vierten und Fünften bereicherten, während die anderen zu zweit sinnliche Erfüllung erfuhren. Ich finde hier eine Wertung nicht angebracht. Beide Fälle, das ist unumstößlich, umgehen nämlich das oberstes Prinzip einer modernen Beziehung, sich seine Unabhängigkeit zu bewahren, und halten an einem Ideal fest, dessen Wert zu ermessen schwer fällt, da es einerseits die Aufgabe des eigenen stumpf egozentrischen Ichs erfordert und zugleich den möglichen Schmerz des Verlusts in Aussicht stellt, aber nichtsdestotrotz eine unvergleichlich Sinn gebende Erfüllung verspricht: Das liebende Teilen einer Identität. Liest man Briefe, Tagebücher, Memoiren oder Romane der Vier, schlichtweg Zeugnisse ihrer Liebe, so lässt es sich nicht vermeiden, auch mit dem unendlichen Schmerz, den sie einander zufügten, in Berührung zu kommen, denn niemals ist man verletzlicher als wenn man sich selbst über jemand anderen definiert: Beauvoir erlitt nach Sartres Tod einen psychisch wie physischen Zusammenbruch und blieb monatelang in einer Klinik, um mit dem niemals zu überwindenden Schock umgehen zu lernen. Gorz nahm sich stattdessen im September letzten Jahres gemeinsam mit der schwerkranken Dorine das Leben, um sie auch nicht für einen Moment missen zu müssen. Beweist dieses Ausmaß des Schmerzes aber nicht bloß, welche Sphären des Glücks, ja welche Vollkommenheit die Liebenden gemeinsam tatsächlich erreicht haben? Nicht nach allgemeingültigen Maßstäben, sondern nach den ihren, den einzigen, die zählen. Aus Feigheit verschließen wir uns vor so großen Gefühlen, alle sind nunmehr stets darauf bedacht sich ja nicht einschränken zu lassen, autonom zu bleiben. Keiner bedenkt, dass wir dabei vielleicht auch etwas verlieren, dass uns diese erzwungene Freiheit irgendwo zur ewigen Einsamkeit verurteilt. Ich wollte über die Liebe schreiben, gegen die Angst vor Abhängigkeit, für den Schmerz und das Einssein. Aber vielleicht bin ich selbst nicht stark genug.

Quellen: Briefwechsel zw. J.P.Sartre und Simone de Beauvoir, Suhrkamp Verlag. „Brief an D“, Andre Gorz, Rotpunktverlag.

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Die Türkei: Zwischen Orient und Okzident

18. Januar 2009 · Kommentar schreiben

von Ron, Elisabethenschule

Die Türkei ist wohl das interessanteste Land des Okzidents- oder vielleicht doch eher des Orients? Direkt am Bosporus , der Schnittstelle zwischen Europa und Kleinasien, liegt die Hauptstadt Istanbul, einst die byzantinische Hauptstadt Kontantinopel. Es ist schwierig zu sagen, es handele sich bei dieser Stadt um eine östliche Stadt, denn die Türken verwenden beispielsweise das lateinische Alphabet, tragen westliche Kleidung und sind laizistischer als die meisten westlichen Staaten. Dennoch diskutieren die Eurokraten in Brüssel bis heute über die Aufnahme der Türkei in die Europäische Union stellen gar das demokratische System in Frage. Das soll jetzt nicht falsch verstanden werden. Die Herren Europas sehen keinerlei undemokratische Institutionen oder Gesetze, dennoch stört sie ein rein türkisches Merkmal und die dazugehörigen Folgen. Es ist der Kemalismus, der Europäer die Köpfe schütteln lässt. Doch was bedeutet denn überhaupt Kemalismus? Es ist ein einzigartiges politisches System, das auf den Jungtürken und Gründer der Türkei, Mustafa Kemal „Atatürk“ („Vater aller Türken“), zurückgeht. Dieser versuchte das nach dem I. Weltkrieg zertrümmerte Osmanische Reich zu modernisieren, sah sich dabei jedoch großen Widerständen der reaktionären Kräften ausgesetzt. Daher setzte er die Modernisierungen (Abschaffung der Monarchie, Bildungsreformen, Übernahme europäischer Kultur, etc.) mit der Armee durch und verlieh der Armee den neugeschaffenen Status einer verfassungswahrenden, gewissermaßen vierten, Gewalt im Staat. Dies tat er in weiser Voraussicht, denn die Theokraten unter den Türken sind bis heute dabei das laizistische Erbe Atatürks zu zerstören. So ist es bis heute die Armee, die bei zu pro-religiösen Gesetzen eingreift, indem sie mit Putsch droht und diesen im Bedarfsfall auch durchführt. Etwas derartiges mag für europäische Ohren befremdlich klingen, allerdings müssen die Alternativen bedacht werden, denn im Grunde genommen gibt es nur eine und diese lautet Gottesstaat. Mit dem Gottesstaat würde der Islamismus Einzug halten in Südwesteuropa- ein ideales Sprungbrett für Terroristen, auch bis nach Westeuropa. Zur weiteren Absicherung des Laizismus ist es der fanatische Nationalismus der Türken, der Politiker wie Erdogan Einhalt gebietet. Wo sonst würden Zehntausende auf den Straßen demonstrieren, wenn es lediglich um das Erlauben des Kopftuchtragens gehen würde, wenn nicht in der Türkei? Wäre kein starker radikaler Rand vorhanden, wie es beispielsweise in Deutschland der Fall ist, so wäre es kein Problem eine gemäßigtere politische Kultur zu entwickeln, denn die Demokratie wäre ja auch nicht so bedroht. Es ist daher auch inakzeptabel, wenn deutsche Politiker, die ein völlig anderes politisches Umfeld gewohnt sind, die türkische Militärführung kritisieren oder gar mit der Mafia vergleichen, wenn diese sich nun einmal bemüht die Demokratie aufrecht zu erhalten. Gewiss ist das nicht die beste Lösung für den staatlichen Umgang mit Islamisten, die meinen sie könnten sich auf den Islam berufen, aber es die bisher beste Lösung, daher bleibt zum Schluß nur die Erkenntnis, dass der türkische Kemalismus und Nationalismus lediglich das Mittel zum Zweck sind, die Reaktionären, die im türkischen Fall Islamisten sind, im Zaume zu halten, daher bedroht eine europäische Einmischung in das türkische System Demokratie, Freiheit und Sicherheit gleichermaßen. Nur durch die strenge Null-Toleranz-der-Intoleranz-Doktrin kann die Türkei als Demokratie fortbestehen.

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Gute Nacht Menschlichkeit

16. Januar 2009 · Kommentar schreiben

von Milena, Goethe-Gymnasium

Das folgende Ereignis trug sich vor wenigen Wochen in einer Straßenbahn in Richtung Schwanheim zu. Es war der Tag, an dem zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit endlich wieder die Sonne schien. Von solch erfreulichen Kleinigkeiten ließen sich die zwei älteren Herrschaften, die am Platz der Republik zugestiegen waren aber keinesfalls beirren. Mit gekonnter Undankbarkeit verschmähten sie die Sitzplätze die ihnen angeboten wurden und wiesen stattdessen einen ähnlich alten Fahrgast, dessen momentane Gehbehinderung durch ein stark geschwollenes Knie deutlich sichtbar war, an, seinen Platz zu räumen. In gebrochenem Deutsch erläuterte dieser er könne nicht gut stehen, doch der abwertenden Gestik und dem groben Tonfall des Ehepaares wagte er nichts weiter entgegenzusetzen und so humpelte er schwerfällig einige Reihen weiter. Dem freundlichen Hinweis einer jungen ausländischen Frau, sie würden dem armen Mann schmerzvolle Mühen abverlangen entgegnete die Alte mit keifender Stimme „Ich lebe seit 85 Jahren in diesem Land, mein Mann wurde im Krieg verletzt, von Ihnen müssen wir uns so etwas wirklich nicht anhören“ und triumphierte. Die Tatsache, dass es eben auch diese Art des Pöbelns und respektlosen Verhaltens gibt, wird oftmals übergangen. Dabei bedeutet ein langes Leben ja wohl keinen Freibrief für Diskriminierung und Kriegsveteranen gebühren nicht mehr Privilegien als anderen Behinderten auch…oder..ach, ziemt sich ein solches Betragen jetzt da wir zu den traditionellen deutschen Werten zurückkehren sollen vielleicht wieder? Na dann Gute Nacht Menschlichkeit.

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Das Dialogmuseum

16. Januar 2009 · Kommentar schreiben

von Jakob, Elisabethenschule

Die schlimmste Vorstellung für uns ist ein Leben ohne Sinn. Die Philosophie und Religion versucht diesen zu finden, doch nach dem wichtigsten aller Sinne müssen wir gar nicht lange suchen. Denn wir haben ihn alle, sogar in mehrfacher Ausfertigung: Wir sehen, hören, schmecken, riechen und fühlen (für die Biologen unter euch: Ich leugne die Existenz weiterer Sinne!) und unser Leben baut so gut wie alle seine Freuden darauf auf. Wenn dem einen der religiöse Sinn den schlaf raubt, so beschert dem Anderen die Vorstellung, ohne Augenlicht leben zu müssen, Alpträume. Andererseits fasziniert es uns aber auch. Wie kommen blinde Menschen mit dem Leben zurecht, was genau sehen sie, wenn sie nichts sehen? Ja, haben Menschen, die ihr ganzes Leben blind waren, eine Vorstellung von Farben, Formen und Räumlichkeit?
Das Dialogmuseum in Frankfurt zeigt in einer Dauerausstellung genau das: Wie es ist nichts zu sehen. Denn im Dialogmuseum ist das Licht aus, es ist gar ganz duster. Es handelt sich allerdings kaum um eine schaurige Horrorausstellung, vielmehr sind gar keine Dinge ausgestellt. Geführt wird man von Blinden, die sich auch nach der Führung nicht zu erkennen geben, durch verschiedene Räume. Zur Hilfe bekommt man einen Blindenstock, doch Verlass ist nur auf sein Gehör, und den Tastsinn. Die Installationen in den „Erlebnisräumen“ sind abwechslungsreich. So geht es nach einer Bootstour, z.B. erst durch einen Wald mit plätscherndem Bach und danach in die ohrenbetäubende Großstadtszenerie. Zuguterletzt hat jeder Besucher noch die Möglichkeit sich in dem dunklen Café etwas Kulinarisches zu gönnen. Ab dem 14.2 Februar ist in einem der Räume eine Installation des Postmuseums zu befühlen. Neben der Führung hat man im Dialogmuseum die Möglichkeit an einem Workshop mit einem Blinden teilzunehmen, der Aufschlüsse über ein Leben ohne Augenlicht geben soll.Außerdem kann der Besucher im so genannten „Casino for Communication“ sich an Spielen versuchen, die die Kommunikationsfähigkeit stärken sollen(Dies ist jedoch eher für kleinere Gäste interessant).

Anmeldung: 069/90432144

Adresse: Hanauer
Landstrasse 145
60314 Ffm

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Aufruf zur Demonstration am 14. Januar in Frankfurt

9. Januar 2009 · Kommentar schreiben

flyervorderseiteFür den 14.01.2009 hat ein Bündnis aus Eltern-, SchülerInnen-, LehrerInnen- und Studierendenvertretungen zu einer landesweiten Kundgebung in Frankfurt aufgerufen. Der Protest richtet sich allgemein gegen die Bildungsmisere in Hessen sowie gegen die voranschreitende Kommerzialisierung von Bildung.

Nachdem Roland Koch im Jahre 1999 versprach, Hessen zum Bildungsland Nr. 1 zu machen, hat sich nicht viel verbessert.

Im Gegenteil: Jeden Tag merken wir die Auswirkungen der hessischen Bildungspolitik. Es gibt zu wenig Lehrkräfte, die Klassen sind zu groß, G8 erhöht den Schulstress der Schülerinnen und Schüler enorm, die Selektion der Schülerinnen und Schüler in der 4. Klasse kommt zu früh und verringert für viele die Chance, einen qualifizierten Schulabschluss zu machen, und,und,und…

Die Reihe ist beliebig lange fortzuführen.

Am 18.Januar sind Neuwahlen in Hessen.

Deshalb soll allen Parteien gezeigt werden, dass sich in Zukunft etwas in der Bildungspolitik tun muss.

Unabhängig aller parteipolitischen Präferenzen sollte uns allen klar sein, dass die Bildungspolitik in Hessen sich grundlegend ändern sollte.

An jeder Schule treten die Probleme offen zu Tage. Unterrichtsausfall oder Kurszusammenführungen durch Lehrermangel, Klassen mit bis zu 33 beziehungsweise Oberstufenkurse mit bis zu 28 Schülerinnen und Schülern, Reinigungsprobleme aufgrund der Privatisierung des Reinigungsdienstes sowie die starke Belastung der G8-Jahrgänge durch Nachmittagsunterricht und verkürzten Lehrplan. Dies führt auch zu einer Benachteiligung von Schülerinnen und Schülern aus sozial schwächeren Schichten, da durch die immense Lernbelastung immer mehr Schülerinnen und Schüler zu Nachhilfe gezwungen werden, diese jedoch für viele Familien einfach zu teuer und nicht leistbar ist.

Gerade die Klassen- und Kursgrößen stellen auch für die Lehrerinnen und Lehrer eine erhebliche Belastung dar und begünstigen ein schlechtes Arbeitsklima.

Die Umwandlung der Goethe-Universität in eine Stiftungsuniversität bringt ebenfalls weitreichende Veränderungen mit sich. So ist der Hauptstifter der Universität die Deutsche Bank. Diese stellt daher auch die meisten Stiftungsprofessuren sowie einen Großteil der Vertreter im Stiftungsrat, der für die Verteilung der Gelder zuständig ist. Sicherlich ist es gutzuheißen, wenn privates Kapital in die Bildung gesteckt wird, doch gerade der Bau des luxuriösen und bestens ausgestatteten „House of Finance“ als Gebäude für die Wirtschaftswissenschaften und der rasche Umzug dorthin zeigen, dass das reine Interesse der Stifter in diesem Fall die Ausbildung von Wirtschaftsfachleuten ist und die Stifter Bildung und Forschung an der Hochschule in einem nicht zu unterschätzenden Maße mitbestimmen. Geistes- und Sozialwissenschaften werden bei dieser Entwicklung über kurz oder lang auf der Strecke bleiben. Auch die Wiedereinführung von Studiengebühren ist noch lange nicht vom Tisch.

Die Demonstration wird um 15.30 Uhr an 4 verschiedenen Punkten starten und als Sternmarsch in Richtung Römerberg laufen. Am Südbahnhof beginnt der Zug des StadtschülerInnenrates, am Hauptbahnhof stehen GEW und Stadtelternbeirat, die Züge von der Bockenheimer Warte sowie vom Nibelungenplatz werden von den Asten der beiden Hochschulen organisiert. Um 17.00 Uhr wird es auf dem Römerberg zu einer Abschlusskundgebung kommen. Insgesamt werden 5000-10000 Teilnehmer erwartet, die GEW bringt Unterstützer mit Sonderzügen aus Nordhessen nach Frankfurt.

Wir fordern alle Lehrerinnen und Lehrer auf, den Schülerinnen und Schülern die Teilnahme an der Demonstration zu ermöglichen und eventuelle Fehlzeiten im Nachmittagsunterricht, die durch die Teilnahme an der Demonstration entstehen könnten, nicht zu vermerken. Die freie Meinungsäußerung sowie die Demonstrationsfreiheit sind Grundrechte, die nicht durch die Schulpflicht eingeschränkt werden dürfen. Außerdem dient die Demonstration der politischen Willensbildung und ist damit durch das Grundgesetz geschützt.

Organisiert und unterstützt wird die Demonstration von:

StadtschülerInnenrat Frankfurt am Main

Stadtelternbeirat Frankfurt am Main

Gesamtpersonalrat der Lehrerinnen und Lehrer in Frankfurt am Main

AStA der Johann-Wolfgang-von-Goethe-Universität Frankfurt am Main

AStA der Fachhochschule Frankfurt am Main

Kommunale Ausländervertretung

Initiative Pro IGS

GEW – Bezirksverband Frankfurt am Main

Stadtverbindungslehrerin Frankfurt am Main

elternbund Hessen

LandesschülerInnenvertretung Hessen

Landes-Astenkonferenz Hessen

GEW Hessen

DGB Jugend

Nordhessisches Bündnis für gerechte Bildungschancen (DGB Jugend Nordhessen, GEW Nordhessen, Elternbund Hessen, Stadtelternbeirat Kassel, Landesschülervertretung Hessen, Stadtschülerrat Kassel, Kreisschülerrat Werra-Meißner, Schülerbündnis „Bildungsblockaden einreißen“ Kassel, AStA Universität Kassel)

Aktionsbündnis gegen Studiengebühren

DGB Hessen-Thüringen

Hessisches Sozialforum (u.a. Caritas, Diakonie, Bund für Umwelt- und Naturschutz in Deutschland, Gewerkschaften, kirchliche Verbände, attac…)

Anti-Nazi-Koordination Frankfurt am Main

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Einladende Schokoladenläden

8. Januar 2009 · Kommentar schreiben

von Lucia und Lotte, Musterschule

„Für uns ist Schokolade mehr als nur ein Nahrungsmittel.“, schreibt das Vianne Team im Internet, bei „Bitter & Zart“ nennt man die Arbeit mit der seit tausenden von Jahren als Köstlichkeit gehandelten Kakaobohne und all ihren Variationen „das Paradies auf Erden“ .Alle von uns befragten Schokoladenladenleute wirkten offen, zufrieden und begeistert. Schokolade macht glücklich?
Wir begaben uns auf den „Parcours des Glücks“ in mitten der Frankfurter Innenstadt, tauchten ein in Oasen des entspannenden, hoch geschätzten Genusses.
Nebenbei erfuhren wir, obwohl alle uns zunächst auf ihre nur geringe Zeit hinwiesen, einiges über die Geschichte der Kakaobohne, den Unterschied zwischen Pralinen und Trüffeln und kamen in den Genuss so mancher Köstlichkeiten.
Ein Glück, dass wir alle in Frankfurt wohnen.
Ein Glück, dass es uns gibt, die wir euch nun zu noch mehr Glück verhelfen. Wir stellen euch die Innenstadt von ihrer Schokoladenseite vor: 5 Chocolaterien, Schokoladenmanufakturen, Chocolatiers, Chocolat lounges, Schokoladenläden:

Viele von euch haben sicherlich den Film „Chocolat“ gesehen und können sich neben Johnny Depp auch an Vianne und ihren zauberhaften Laden erinnern. In Vianne Chocolate soll dieser Wirklichkeit werden. Vianne hat für jeden die passende Schokolade parat und auch die freundliche Geschäftsführerin der Vianne Filiale in Frankfurt hat es sich zur Aufgabe gemacht, jedem Kunden „die größtmögliche Aufmerksamkeit zu widmen“. Uns wurde ein Kännchen cremiger Schokolade serviert, die wir nach Belieben mit Gewürzen verfeinern und mit Milch zusammen genießen konnten. Diese Spezialität ist der Liebling der Kunden (für 2 € erhältlich) und die von Roux (Johnny Depp). Eine Roux-Schokolade gibt es, wie für jeden anderen Charakter des Films, aber auch noch. So schmeckt die Schokolade des Comte, der im Film fastet, nach Tomaten und Basilikum und die Schokolade des Nordwindes, der Vianne zum weiterziehen zwingt, heißt “Pfeffer-Butter-Trüffel“. Auch wenn die Einrichtung uns nicht besonders beeindruckt, finden wir den Laden mit seinem Angebot an Filmen, Büchern, Schoko-Kosmetik, Seminaren und anderen schokoladigen Angeboten (Ab Februar gibt es alle 4 Wochen einen Schoko-Brunch!)
auf jeden Fall empfehlenswert.

Weiterempfehlen können wir auch die neu eröffnete Konditorei Chocolaterie des Familienbetriebes Opitz. Zum Sitzen gibt es hier zwar keine Gelegenheit, alles ist eher schlicht und schick, fast etwas zu sehr, doch im Gegensatz dazu ist die Verkäuferin äußerst herzlich und leidenschaftlich. Der Laden sei „ihr Baby“, „ihr Traum“ und „einfach toll“. Toll finden wir auch, dass alles in Niederrad selbst hergestellt wird und es außer Tafeln (die teuerste ist hier immerhin für 8,5€ erhältlich) und Pralinen auch Kuchen und Torten gibt.

Auch der Laden mit dem süßen Namen Schokolädchen wurde erst zur Weltmeisterschaft eröffnet. Hier gibt es neben dem Gewöhnlichen, wie Tee, Kaffee, Torten und Schokolädchen, auch Ungewöhnliches, wie die deftige Lieblingssorte der Verkäuferin „Purple Curry“.
Schokolädchen lädt zum Kauf der lecker aussehenden Eigenmarke und auch zum „Wissenskauf“ ein: Seminare über die Kulturgeschichte und Anekdoten über das, was sich aus der einfachen Kakaobohne entwickelte, werden hier angeboten. Die Kakaobohne an sich hat uns aber eher im negativen Sinne umgeworfen…
Insgesamt ist dieser Laden, nicht nur vom Namen, sondern auch von der Gestaltung, einer hübschen Einrichtung mit grünen Stühlen, äußerst süß.

In der Süße hat Godiva nur geschmacklich was zu bieten. Die seit 8 Jahren in Frankfurt bestehende Filiale einer internationalen Schokoladenkette war lange Zeit die einzige in Deutschland. Von dem Urunternehmen in Brüssel kommen jeden Dienstag neue Köstlichkeiten bester Qualität, die es zu probieren gilt. Allerdings werden auch vor Ort frische Früchte aus der Kleinmarkthalle schokoliert.
„Das ist ein Laden zum Genießen“, „Hier kommen die Gourmet-Leute zum Naschen“, erzählte uns die Verkäuferin. Die Marke Godiva, die auch in Luxuskaufhäusern, wie z.B. dem KadeWe erhältlich ist, sei eine der teuersten.
Dementsprechend ist unser Eindruck, dass, so verführerisch fieserweise alles auch aussehen mag, Menschen mit prall gefüllter Brieftasche hier eher am richtigen Platz sind.
Doch, wenn auch ihr euch an einem winterkalten Tag eine der drei Trinkschokoladensorten gönnen wollt, wärmt euch diese sogar draußen im Pappbecher die Hände.

Bei bitter&zart kann man sich mit heißer Schokolade vor das wundervoll geschmückte Schaufenster setzen und sich über die neidischen Blicke der Vorbeigehenden freuen. Derzeit wird man von einem hinreißenden Pfau begrüßt. In Schaufenster, Vitrinen, Regalen und auf Tischen türmen sich märchenhafte Schokoladenkreationen. Die bunt gefüllten  Bonbongläser erinnern an Omis Dorfladen, die scheinbar mit Schokolade überzogenen Sessel an französischen Schick.
Die Idee zur Eröffnung habe sie aus anderen Ländern, doch die wechselnde, uns persönlich von allen am besten gefallene Dekoration ist „alles Eigenidee“, wie die Besitzerin stolz betont. Zwar wird hier nichts Eigenes produziert und lediglich Ware mit dem orange farbenen Geschäftslogo bestellt, doch begleitet von angenehmer Musik wirken die vielfältigen Leckereien einfach himmlisch.
Bitteres, wie Schokolade mit Wasabi, gibt es zwar auch, doch in dieser Chocolaterie überwiegt eindeutig die Zärte.

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Job…?

8. Januar 2009 · Kommentar schreiben

von Stella, Elisabethenschule

Nachhilfe, Babysitting, Putzen… Die meissten haben in unserem Alter schon so Einiges ausprobiert, um sich das Taschengeld ein wenig aufzubessern…
Bei meinem Auslandsaufenthalt in Australien habe ich festgestellt, dass ausnahmslos jeder ab ungefaehr 14 in einem Cafe, einer Apotheke oder einem Fast-Food-Restaurant arbeitet und alle sich ihr Geld selber verdienen und sogar auf Autos und Reisen sparen. Zurueck in Deutschland und die ersten Monate in der Schule ueberstanden, wollte auch ich einen festen Job, wo ich regelmaeßig zwei maldie Woche ein paar Stunden arbeiten koennte. Leichter gesagt als getan!
Eine Freundin, die zeitgleich mit mir in Australien war, und ich machten uns zusammen in der Stadt auf die Suche. Wir verbrachten mindestens 3 bis 4 Stunden damit, den Oederweg und die Zeil entlang und auf der Hauptwache und der Konsti jeden in Frage kommenden Laden abzuklappern und uns drei verschiedene Antworten anzuhoeren. Mal wurde keine Aushilfe gebraucht, mal hieß es, wir koennten ja mal eine Bewerbung abgeben, aber am haeufigsten wurde uns entgegen gehalten, dass unter 18 garnichts zu machen sei.
Ziemlich entmutigt habe ich dennoch am naechsten Tag einige Bewerbungen abgegeben, auf die ich allerdings im Laufe der folgenden Monate (!) entweder Absagen auf Grund vieler Anfragen von Bewerbern ueber 18 und mit mehr verfuegbarer Zeit (Studenten etc.) oder garkeine Antwort zurueck bekam.
Mittlerweile hatte ich ueber eine Freundin einen Job beim Catering Service im Japan Tower bekommen. Zunaechst war ich von der Spontanitaet des Managers begeistert und bezahlt wurde auch recht gut. Ich konnte den Job sogar an einige Freunde weiter vermitteln. Dieser Manager entpuppte sich allerdings als sehr launisch und demnach oft unfreundlich und unprofessionell. Zwischendurch arbeitete ich ab und zu bei einem wissenschaftlichen Institut – ein Aushilfejob, an den ich ebenfalls nur ueber Beziehungen rangekommen bin – relativ gut bezahlt, aber leider nur sehr unregelmaeßig. Nach diesen ersten sehr gemischten Erfahrungen stellte ich aus Lustlosigkeit und wegen der vielen Klausuren die Suche erstmal ein, allerdings moechte ich nach den Weihnachtsferien umbedingt etwas Regelmaessiges finden, auch wenn es klein- portionierte Nachhilfe ist, die uebrigens meistens wirklich gut entlohnt wird!
Gelernt habe ich mit Sicherheit, dass man mit connections die besten Chancen auf interessante und gut bezahlte Jobs hat und ich habe einige widerspruechliche, aber wertvolle Erfahrungen gemacht!
Wenn ich im August endlich 18 werde, sieht die Welt sowieso ganz anders aus.

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Marilyn Manson in Offenbach

8. Januar 2009 · Kommentar schreiben

von Jakob, Elisabethenschule

Ach ja, der alte Manson. Schminke, der ständige Griff in den Schritt, Texte über Selbstmord Drogen und den Teufel, das Spiel mit Nazi Symbolen und der Wunsch der Antichrist zu sein. Das ist Marilyn Manson für viele. Doch für alle Zweifler, er ist noch einiges mehr. Obwohl er auch in Offenbach seinem Ruf alle Ehre machte, er verbrannte eine Bibel und skandierte: „We love hate, we hate love“ Sehr süß, wie ich finde.  Doch musikalisch konnte dieser Abend voll und ganz überzeugen. Nur drei Lieder vom schwächeren neuen Album, viele alte Hits, zuletzt „The Beautiful People“. Begonnen hatte das gut anderthalb Stunden lange Konzert mit dem ersten Song von „Eat me, Drink me“ „If I was your Vampire“. Minutenlang zuckten rote Lichtblitze durch die Halle, der Rauch auf der Bühne wurde immer dichter, bis Herr Manson (Brian Warner) als Schatten auf der Bühne zu sehen war. Sofort riss das zum großen Teil weibliche Schwarz gekleidete Publikum die Arme nach oben und empfingen den Meister mit dem abgespreizten kleinen- und Zeigefinger (dieses wohl an Satan erinnernde Zeichen ist heutzutage ja selbst bei den Hardcore- Kindergarten Metallern von Tokio-Hotel Standard). Die folgenden Lieder waren leicht zu genießen, kaum Pogo, vielmehr schauen, was auf der Bühne passiert. Man wollte schließlich nicht verpassen, wenn Marilyn Manson sich ausgerechnet hier in Offenbach vor allen Leuten mit seinem Schlachtermesser- Mikrofon den Hals aufschlitzt. Ist dann aber doch nicht passiert und alle konnten glücklich nach Hause gehen, dabei die Klassiker pfeifen und auf ein neues geniales Album à la „Mechanical Animals“ hoffen.

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Wohnungslose in Frankfurt

8. Januar 2009 · Kommentar schreiben

von Milena, Goethe-Gymnasium

Besonders zu dieser Jahreszeit stimmt einen der Anblick eines in seinen Schlafsack gehüllten Wohnungslosen traurig, gleichzeitig steigt unser Unverständnis. Niemand in Frankfurt muss auf der Straße leben, das ist kein Gerücht. Sowohl stadtnahe als auch kirchliche Einrichtungen bemühen sich um die Unterbringung der ca. 2300* Wohnungslosen in unserer kleinen Metropole. Warum also verweigern sich  400-500 Betroffene diesem Hilfsangebot?
Sozialpädagogen betrachten psychische Erkrankungen, damit verbundene Ängste und das Fehlen sozialer Kompetenzen als Hauptgrund der Ablehnung  gegenüber öffentlichen Einrichtungen. Der leitende Arzt des Projekts zur Verbesserung der medizinischen Versorgung von Menschen in sozialen Notlagen in Frankfurt a.M. schätzt, dass ca. 50% der Wohnungslosen psychisch krank sind. „Ob die Krankheit die Ursache oder eine Auswirkung der Notlage ist, lässt sich so schwer beantworten wie die Frage nach dem Huhn und dem Ei. Psychosen oder Depressionen erschweren den Alltag sehr, sodass die Erkrankung immer auch eine mögliche Ursache für die Notlage sein kann. Umgekehrt fallen Wohnungslose aus allen sozialen Bezügen heraus, was zu einer starken psychischen Belastung führt – es ist also ein Wechselspiel.“
Das Gefühl, den Erwartungen nicht mehr zu entsprechen und von der Last der Pflichten zu Boden gedrückt zu werden, verbunden mit Minderwertigkeitskomplexen, bringt die Menschen dazu, sich zu betäuben und zu verkriechen. Sowohl in Beratungsstellen als auch in betreuten  Übergangswohnheimen helfen Sozialpädagogen den Betroffenen dann, ihre Probleme Schritt für Schritt abzuarbeiten.
Die Schuldnerberatungsstelle und die Drogenberatungsstelle (etc.) gehören neben dem Kältebus und den Streetworkern, die Betroffene vor Ort aufsuchen und sie mit warmen Getränken und  Schlafsäcken versorgen, sowie der Straßenambulanz, die eine sofortige medizinische Versorgung bereitstellt, den Tagestreffs, die Gesellschaft und Beschäftigung bieten sowie den Notunterkünfte, wo Hilfesuchende für wenige Nächte verweilen können zu den niederschwelligen Hilfsangeboten. Diese verzichten möglichst auf Formalitäten, die Wohnungslosen müssen also keinen Termin vereinbaren, müssen keine Papiere vorlegen und brauchen ihre Identität nicht preiszugeben.
Hingegen bieten die oft auf bestimmte Zielgruppen (z.B. junge Erwachsene, Frauen, Besitzer von Tieren, Drogenabhängige…) zugeschnittenen Wohnheime einen festen Wohnsitz für ca. zwei Jahre und helfen den Menschen kontinuierlich bei der Reintegration.
Kaum noch finden sich Aussteiger in den Eingängen der Kaufhäuser und der B-Ebene der Hauptwache. Die Menschen, mit denen wir sprachen, trotzen nicht dem konventionellen Lebensstil, vielmehr fühlten sie sich durch ihn überfordert und  rutschten ab. Während Männer oftmals durch die Scheidung oder den Tod der Ehefrau ihren Halt verlieren, zur Flasche greifen, wegen Unpässlichkeiten arbeitslos werden und dann auch der bürokratischen Hürde Hartz 4s nicht gewachsen sind, finden Frauen häufiger jemanden, der sie aushält. Ca. 70% aller Wohnungslosen sind demnach männlich. Und ein weiteres erschreckendes Faktum: Die Betroffenen werden statistisch gesehen immer jünger.
Besonders leiden die Wohnungslosen darunter, dass ihnen eine eigene Persönlichkeit abgesprochen wird und sie nur als Masse von Schwachen gelten. Kaum einer begreift den Menschen, der auf der Straße sitzt, bettelt und schläft, als Individuum, sondern vielmehr als Teil eines Problems unserer Gesellschaft. Gibt man einem Hilfesuchenden ein bisschen Kleingeld, zählt das gleichzeitig für die Anderen auf dieser Straße .
R. Lutz, die Leiterin des Diakoniezentrums Weser 5, betont immer wieder die wachsende Unzufriedenheit unter ihren Besuchern. Bei einer anhaltenden Politik der sozialen Kürzungen befürchtet sie sogar soziale Unruhen und einen enormen Anstieg der Kriminalitätsrate innerhalb der nächsten  fünf bis zehn Jahre.
Jeder Einzelne kann etwas gegen diese Entwicklung tun: Verständnis zeigen

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Verdammt geliebte . . . !

8. Januar 2009 · Kommentar schreiben

von Marisol, Goetheschule

Wir könnten auf euch kotzen, ihr scheiß Jungs!
Alles was ihr macht ist falsch, wir lieben euch sogar dafür. Es klingelt an der Tür. Du hörst die wohlbekannte Stimme des Arsches durch die Sprechanlage, bevor er mit einem Geschenk in der Hand vor dir steht. Stopp, der Arsch ein Geschenk?? „Ach, wie  nett“, willst du meinen, doch durchschaust du gleich seine Masche, welch ein Schleimer. Bestimmt war es seine Mutter, die ihm noch schnell etwas zusteckte, damit er nicht blöd da stehe.
Also denkst du dir „ Wie mitdenkend von ihr….“.
Dein Kopf ist in dieser Situation jedoch überfordert, so viele paradoxe Dinge schwirren umher. „Was sucht der eigentlich hier, denkt er etwa ich täte so, als sei nichts passiert oder was??“ Statt ihm das Geschenk freundlich abzunehmen und dann schnell die Tür vor seiner Fresse zuzuknallen eskaliert die Begegnung völlig, gerät außer Ruder, später wirst du es noch bereuen!
„Ach, komm doch rein, gib mir deine Jacke! Möchtest du etwas trinken?“, (oh Gott welchen Omastyle du auflegst)  fragst du den verschmitzt lächelnden Arsch, der jetzt natürlich alles andere als das zu sein scheint. Blick in den Spiegel, dich kann man anschauen, aber warum trägst du kein Maskara?? Hilfe, schnell auf die Toilette, zurechtmachen. Danach geht alles ganz schnell. Ihr setzt euch. Gesprächsthema halt irgendwas, total egal. Allein das immer noch gute Aussehen vertreibt all den Kummer, die Tränen mit denen du dich in den Schlaf wiegtest, die verzweifelten SOS-Gespräche in der Mädelsrunde, den großen Hass und anschließende Racheattacken, welche nur ausblieben, weil du wusstest etwas Besseres als der Arsch zu sein. Stattdessen lächelst du. Ja du lächelst diesen verdammten Jungen an.  Das geht schließlich solange, bis er geht und du wieder klar denken kannst dank deiner Freundinnen, die es dir in den Kopf einhämmern: Bam bam, kapier, doch, dass er mit dir spielt! Lass’ los, nur Mut, du hast nur den Arsch zu verlieren…

von Emil, Elisabethenschule

Seit den letzten Wochen wissen wir ja, dass Hessen, Koch nicht verdient hat, dass Nazis immer noch keinen Platz in Frankfurt haben und dass alle Studenten gewaltbereite Autonome sind. Wie schon in der letzten Folge gesagt: Das Leben ist kein Ponyhof. In diesem Sinne muss man einfach sagen: Frauen sind schuld.
Auch wenn sie uns immer wieder davon überzeugen ganz tolle Wesen zu sein, im Herzen sind sie doch alle gleich. Und das schlimmste: Sie Wissen ihre Macht auf uns, hetero sexuelle Jungs, auszuüben. Kaum hat man die eine vergessen, kommt die nächste, und eh man sich versieht, macht man wieder etwas, was man sich eigentlich geschworen hatte nie wieder zu tun und es geht wieder von vorne los. Ich mein: Man muss die Traube essen bevor sie eine Rosine ist, in diesem Sinne JETZT noch viel spaß haben aber… wäre es nicht auch mal angebracht wenn ihr Mädchen, mehr macht als einfach nur verdammt schön zu sein? Aber das schlimmste: Eure ehrlichkeits- Tour.
Mädchen: „Ich will daß du immer schön ehrlich zu mir bist.“ WENN wir dann ehrlich sind muss man sich wieder rechtfertigen: „Tut mir leid, wenn mir da so ein Gesichts-Gulasch gegenüber sitzt, kann ich nicht sagen: Sie sind wunderschön, Frau… Das hat aber wirklich etwas mit Ehrlichkeit zu tun, nicht mit Disk… Diskriminierung.“
Ja dann fahrt ihr gleich aus der Haut und seid beleidigt! Ich mein ich bin ja auch für Randgruppen: Behinderte, Schwule, Frauen bin ich dafür! Solang es MENSCHLICH stimmt! Ich mein, das Leben ist nun mal kein Wunschkonzert, ich würde jetzt auch lieber in der Sonne liegen. Oder auf ner prallen 17jährigen. Aber Statt dessen schreibe ich hier einen bescheuerten Text und sauge mir mit Strombergs Hilfe, etwas aus den Fingern, gegen Wesen, die ich eigentlich liebe, nur um den Text rechts von mir zu relativieren… aber vielleicht sind wir doch die schlechten, aber wenn die Katze ein Pferd wäre würde sie auch den Baum hochreiten! In diesem Sinne: Gute Nacht!

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Apple Crumble Pie

8. Januar 2009 · Kommentar schreiben

von Stella, Elisabethenschule

For the bottom/base:
400g apples
3tbsp soft brown sugar or caster sugar
2tbsp orange juice
170g butter, softened
150g ground almonds
170g caster sugar
170g self-raising flour
1tsp ground cinnamon
tsp ground mixed spice
2 eggs

For the crumble topping:
100g plain flour
75g soft brown sugar
75g butter, diced
1tsp cinnamon powder
Pinch of salt

Heat the oven to 180C/Gas. Peel, core and slice thickly approximately 500g worth of apples and simmer with the sugar and orange juice in a covered pan for five minutes or until soft. Stir well and set aside. Lightly butter a 23cm (9in) springform cake tin. Place the butter, ground almonds, sugar, flour, cinnamon, mixed spice and eggs in a food processor and whiz until thick and creamy. Spread the mixture over the base of the cake tin. Drain off the apple juice and gently spread the slices over the top in a circular pattern. To make the crumble topping, mix together the flour, sugar, butter, cinnamon and salt with your fingertips until it resembles coarse sand, then cover the apple with the mixture. Set the tin on a baking sheet and bake on a rack set just below the centre of the oven for 30-45 min. If, before, the sides and top appear to be browning too quickly, wrap some folded silver foil loosely around the tin, and cover with a loose sheet of foil. Cool in the tin for 15 minutes before transferring to a serving plate. Serve warm as a dessert, with whipped cream or ice-cream, or allow cooling and serve as a cake.

Vocabulary:
flour – Mehl
self-raising flour – Mehl mit Backpulver (am besten fertig kaufen oder 3g Backpulver auf 100g Mehl)
tsp – teaspoon
tbsp – tablespoon
to core – entkernen
diced – gewürfelt
to simmer sth. – etwas köcheln lassen
coarse – grob
silver foil – Alufolie

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Tonarten

8. Januar 2009 · Kommentar schreiben

von Milena, Goethe-Gymnasium

Ganz ohne Zweifel intensiviert Musik jeden einzelnen Moment, verzaubert unseren Alltag und macht Erinnerungen so greifbar, dass man manche Lieder aus Angst vor dem wieder erwachenden Schmerz gar fürchten lernt. Menschen definieren sich über ihren Musikgeschmack, kommen zusammen um zu musizieren oder Komponiertem zu lauschen und tauschen sich gerne über ihre Hörerlebnisse aus. Jedoch bedient sich kaum einer  Geräuschen anderer Art als Aufhänger für ein Gespräch. Auf die Frage welche Laute sie faszinierten und sie liebten, antworteten dennoch viele Freunde und Passanten derart präzise, dass ich nun überzeugt bin, sie alle hatten die Töne schon immer bewusst wahrgenommen, nur schien ihnen das Klacken des Deckelverschlusses eines Babygläschens oder das Zischen einer stark glühenden Zigarette viel zu trivial um es ungebeten zu erwähnen. Ich begann also nachzufragen und sammelte:

Stimmengewirr, dessen Worte sich zu einem unverständlichen Summen vereinen.

In einer Muschel gefangenes Meeresrauschen.

Das Holpern loser Pflastersteine, wenn ein Fahrrad darüber fährt.

Angezogene, gefakte Orgasmen (Harry&Sally)

Das Blubbern kochenden Wassers.

Das Knirschen von Schnee.

Das Schnarchen einer schönen Frau.

Bei sommerlichen Temperaturen auf dem Rücken liegend um sich herum die Ähren rauschen und über sich einen Propeller kreisen zu hören

Das Kullern einer fremden Spielfigur, die gerade herausgeschmissen und mit den Fingernägeln weggeschnippst wurde.

Der dumpfe Ton, wenn man auf einen Flaschenboden klopft.

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Kondome mit Geschmack

8. Januar 2009 · Kommentar schreiben

von Sine P., Goethe-Gymnasium

Vom Tierdarm, über tierische Membranen bis hin zu der nach Pfefferminz schmeckenden Latex Hülle. Die Entwicklung des heutzutage als Kondom bekannten Gummiüberzugs für das männliche Geschlechtsteil ist bemerkenswert, jedoch stellt sich die Frage der Notwendigkeit innovativer Eigenschaften, die mit der ursprünglichen Zielsetzung eher gar nichts zu tun haben. Erdbeere, Orange, Vanille – alles was das weibliche Herz begehrt. Tatsächlich? So verfressen sind wir Frauen doch wirklich nicht, dass sogar Kondome immer einen passenden Geschmack haben sollten. Wahrscheinlich ist es der letzte verzweifelte Versuch seitens der Männer, uns diese Art des „Beischlafes“ schmackhaft zu machen. Als ich mich näher mit diesem Thema beschäftigt hatte, stieß ich auf mehrere Theorien, was den Nutzen solcher Kondome anbelangt. Die erste besagt, dass solche Präservative hauptsächlich für Prostituierte gedacht sind, die sich beim Oralverkehr weder vom Kunden anstecken lassen, noch einen unangenehmen Gummigeschmack im Mund haben wollen. Dies schien mir zwar einleuchtend zu sein, jedoch hätte ich als Kunde Angst, dass dieser täuschend echte Geschmack die Frau so in Versuchung bringt, dass sie genüsslich zubeißt. Außerdem konnte ich nicht verstehen, warum denn dann diese Kondome fast überall zu kaufen sind, wenn sie doch nur für einen ganz bestimmten Marktanteil gedacht sind. In der zweiten Theorie geht es um den Würgereflex, der dadurch möglicherweise zu unterdrücken wäre. Wir müssten uns ja schließlich auch nicht übergeben, wenn wir Bananen essen. Liebe Männer, wenn es nun mal nicht geht, dann geht es eben nicht und da helfen auch keine Kondome, die so tun, als seien sie Obst. Außerdem: Wenn schon, denn schon, keine halben Sachen. (Persönlich denke ich, dass sich Haut sowieso viel angenehmer anfühlt als Gummi) Nun aber das Irrsinnigste dieser neuartigen Erfindung: Auf der Verpackung der aromatisierten Kondome wird gewarnt „Nicht für den oralen Gebrauch geeignet“ da frage ich mich doch, an welchen Körperstellen ich sonst noch Geschmacksknospen haben müsste…

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Nick Hornby – A long way down

8. Januar 2009 · Kommentar schreiben

von Esther, Elisabethenschule

Die Sylvesternacht auf dem Dach des Topper’s House in London: Vier Menschen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten ( eine alte Dame, ein gebrochener Fernsehmoderator, eine durchgeknallte junge Frau und ein verhinderter Rockstar aus Amerika), begegnen sich dort oben mit einem Vorhaben: Sie alle wollen in dieser Nacht ihr Leben beenden. Jedoch verändert dieses Treffen das Leben jeder dieser Personen: Zuerst beschließen sie, ihren Freitod auf den nächsten „deprimierendsten Tag des Jahres“ zu verschieben: den Valentinstag. Bis zu diesem Termin streiten, hassen und lieben sich diese vier Menschen, entfremden sich und lernen sich selbst neu kennen. Ein Meisterwerk des Sprachkünstlers Nick Hornby- zum in der U-Bahn vor lauter ironischer Komik in lautes Gelächter Ausbrechen und trotzdem zum über das Leben und seinen Sinn Nachgrübeln.

Für Menschen, die feinen Wortwitz und den typisch britischen, teilweise schwarzen Humor lieben.

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Angela Kraus – Wie weiter

8. Januar 2009 · Kommentar schreiben

von Esther, Elisabethenschule

An einem Sonntagmorgen erwacht die Protagonistin neben einem ihrer „Liebesmenschen“ und fragt sich, „wie weiter?“. Eine Frage, die sich durch das ganze Buch zieht: Wie geht es weiter? Was passiert dann?
Die Handlung des Buches passiert nur in dem Kopf der jungen Frau. Sie macht eine Reise durch ihr Leben, ihre Vergangenheit, teilweise von ihren „Liebesmenschen“ begleitet, von denen sie, wie ihre Mutter schon meinte, mehrere hat, da man den einen nie überfordern sollte. Der Sinn, nach dem sie sucht, ist oft nur an einer Stelle zu finden: Zwischen den Zeilen, im Kopf des Lesers. Angela Kraus malt mit unglaublichen Sätzen grenzüberschreitende Bilder in die eigene Phantasie und zieht einen so sehr in ihr Buch hinein, dass es nach dem Auslesen fast körperlich weh tut, das Buch ins Regal zu all den anderen zu legen.
Für Menschen, die gerne zwischen den Zeilen lesen und sich von einer ganz zauberhaften Sprachkunst verführen lassen.

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so ne und so ne – Über die die Kirche und andere unwichtige Sachen

8. Januar 2009 · Kommentar schreiben

von Carl, Goethe-Gymnasium

Es gibt so ne und so ne. Es gibt Menschen, deren Leben ein Riesenabenteuer ist und es gibt Menschen, die mit der Masse gehen. Es gibt Menschen mit eigener Meinung und es gibt Menschen ohne. Es gibt Menschen, die über den eigenen Tellerrand hinausschauen und es gibt Menschen, die sich nur um ihre vier Wände und ihren Goldfisch kümmern. Christen, besonders Katholiken, gehören dabei wohl eher zu den beschränkten Menschen. Da muss man nur mal an bayerische Dörfer denken, wo die Omas nach dem Kirchgang kräftig über ihre Nachbarn ablästern. Man muss nur mal an reaktionäre Pfarrer denken, die sich in der Predigt über die Jugend von heute beschweren. Man muss nur an das katholische Familienbild denken und man merkt, dass Christen nicht wirklich das Zeug zum alternativen Revoluzzer haben. Ein christliches Leben ist praktisch eine Entscheidung für die Langeweile oder etwa nicht?
Szenenwechsel: Wir sind in der Kölner U-Bahn am 19. August 2005. Es ist gerade Weltjugendtag. (Für alle, die nicht wissen, was das ist, das ist ein katholisches Jugendtreffen zu dem alle drei Jahre der Papst und eine bis fünf Millionen Jugendliche kommen; Der nächste ist dieses Jahr in Sydney). In dieser U-Bahn möchte ich mich gerne am Ohr kratzen, aber ich kann es nicht, ich kriege meinen Arm nicht hoch, wegen einem Philippino, der gegen ihn gedrückt ist. Der andere Arm wird von einer Afrikanerin blockiert. Die Bahn, in die nicht mal mehr Heidi Klum passen würde, steht schon seit 10 Minuten, irgendwie ist Stau. 2005 ist ein heißer Sommer. Es riecht extrem nach Schweiß. Ich selber schwitze auch. Plötzlich fängt eine Gruppe Italiener im hinteren Teil an, das „Taize“-Halleluja zu singen und das ganze Abteil singt auf einmal mit. Auch der Philippino, obwohl der gar nicht singen kann. Dass ich mich am Ohr kratzen wollte, habe ich mittlerweile vergessen.
Auf dem Weltjugendtag habe ich viele Leute kennen gelernt, von denen man sagen kann, dass ihr Leben ein spannendes Abenteuer ist. Als ich nach Frankfurt zurück kam, musste ich erst wieder lernen, dass Menschen unfreundlich sein können und es aufgegeben haben, dem Leben die wirklich wichtigen Fragen zu stellen. Ich musste erleben, dass „alternative“ Jugendliche über Konsumkultur mit iPod am Ohr und Handy in der Hand schimpfen. Ich musste sehen, dass der Materialismus schon längst unserer revolutionären Jugend die Flügel gestutzt hat. Ich sage gar nicht, dass die Jugendlichen von heute materialistisch sind als früher. Ich sage aber, dass sie zu materialistisch, und eigentlich Erwachsene sind. Sie fressen, was man ihnen vorsetzt, ob das man das jetzt Sido oder Billy Talent nennt. Anstatt nach dem Sinn des Lebens zu fragen, fragen sie nach einem PSP. Durch den Materialismus kommt es auch, dass heute die meisten Atheisten sind. Das wäre ja auch prinzipiell  nicht schlecht, wenn es dabei sich um einen reflektierten Atheismus handelte. Das tut es aber nicht. Einige basteln sich ihren Lebenssinn irgendwie selber, ihnen geht es dabei nicht so sehr um Wahrheit. Andere sehen sich die Kirche an und haben Angst, dass sich ihr Leben ändern konnte, wenn sie da rein gehen würden, haben auf jeden Fall nicht genug Radikalität und leben den Ist-Mir-Egal-Atheismus, den die anderen auch leben.
Ihr könnt es mir glauben, es gibt heutzutage nichts Alternativeres, nichts Provozierenderes, als sich hinzustellen und zu sagen, dass man Christ ist und das auch radikal lebt, obwohl man gar kein Mauerblümchen ist. Ihr glaubt gar nicht, was die Leute für Augen machen, wenn ich ihnen erkläre, dass ich keinen Sex vor der Ehe haben werde (Die häufigste Reaktion: „So hässlich bist du doch gar nicht!“) und dass ich auch sonst mit der Kirche übereinstimme, obwohl ich Dreadlocks habe und damit überhaupt nicht mit ihrem Klischeebild eines Katholiken übereinstimme!
Ich würde es meiner Generation so sehr wünschen, dass sie die Berührungsängste mit einem echten, authentischen Glauben und mit der Kirche verlieren! Wenn sich einige zum Beispiel mal reinziehen würden, was Johannes Paul II manchmal losgelassen hat(siehe unten) und das mal mit einer Saturnwerbung oder auch nur mit ihrem Bild von der Kirche vergleichen würden, würden sie merken, dass es sich vielleicht sogar lohnen würde, sich mal mit dem Glauben auseinanderzusetzen. Und zwar ohne Klischeevorstellungen.
“Liebe Jugendliche! Gebt euch mit nicht mit dem Mittelmaß zufrieden, sondern mit nichts anderem als den höchsten Idealen! Lasst euch nicht von denen entmutigen, die enttäuscht vom Leben und taub für die tiefsten und echtesten Sehnsüchte des Herzens sind! Ihr dürft eure Träume nicht billig verkaufen! Gebt deshalb auf die gefährlichen Wege acht, die zu vergänglichem Spaß und schneller Befriedigung führen! Ihr habt recht, wenn ihr euch nicht mit oberflächlicher Unterhaltung und wechselnder Mode zufrieden gebt, wenn ihr euch dagegen wehrt, für euer Leben zu wenig zu erhoffen!“ Papst Johannes Paul II auf dem Weltjugendtag 2000 in Rom
Wer sagt jetzt noch, dass der Glaube etwas für Mitläufer ist?

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